
Besitzgeschichte
Der erste Herr von Murau war Ulrich von Liechtenstein, der berühmte Minnesänger und Spross eines bedeutenden steirischen Ministerialengeschlechts, dessen namensgebende Stammburg in der Nähe von Judenburg stand. Die steirischen Liechtenstein sind aber nicht mit dem noch blühenden Fürstengeschlecht Liechtenstein zu verwechseln. Ulrich ließ bis 1250 eine Burg errichten, um die sich die Stadt Murau entwickelte.
Im Jahr 1574 erwarb die Ehefrau von Christoph von Liechtenstein, Anna, geborene Neumann von Wasserleonburg, die Anteile ihrer Schwäger an der Herrschaft. Den Anteil ihres Gatten erbte sie nach dessen Tod 1580. Der letzte Gemahl Anna Neumanns, Georg Ludwig Graf zu Schwarzenberg, aus der erlöschenden „älteren bayerischen Linie“ des Hauses, erhielt die Herrschaft am 20. Oktober 1617 zugeschrieben. Nach Georg Ludwigs Tod erbte dessen entfernter Vetter Johann Adolf aus der „rheinischen Linie“ des Geschlechts, der nachmalige erste Fürst zu Schwarzenberg, die Herrschaft Murau. Der Besitz wurde in der Folgezeit durch zahlreiche Erwerbungen vermehrt: 1666 Frauenburg, 1689 Scheifling und Alt-Teuffenbach, 1690 Ranten, 1696 Katsch, Saurau, Schrattenberg, Tschakaturn, 1698 Reifenstein mit Gusterheim und Offenburg, 1783 Authal mit Hainfelden, Pusterwald, Grubhofen, Rosenbach, Penkhof und Kuchelingen, 1839 Goppelsbach, 1868 Ramingstein und zuletzt 1925 Bundschuh.
Nach dem Tod des Prinzen Heinrich im Jahre 1965 sind die Herrschaft Reifenstein mit Gusterheim und Offenburg, sowie die Herrschaft Frauenburg in das Eigentum seiner Tochter Prinzessin Elisabeth, Vermählte von Pezold, übergegangen. Der andere Teil wurde dem Adoptivsohn und heutigen Fürsten Karl zu Schwarzenberg, der aus der „Orlíker Linie“ des Hauses stammt, übergeben.
Die zahlreichen Grundstückserwerbungen sowie die gesamte Waldwirtschaft, sofern man anfänglich davon sprechen kann, standen immer in Verbindung mit der lokalen Eisenverhüttung. Ein erstes Schürfrecht ist mit 1480 belegt, der Bergbau an sich ist hier sehr viel älter. Berühmt waren die Eisenhütten und Hammerwerke zu Turrach, Paal, Kendlbruck, Niederwölz, Scheifling und Frauenburg. Die Hochöfen und Hammerwerke hatten einen enormen Kohleverbrauch, der durch lokal erzeugte Holzkohle gedeckt werden musste. Der Brennstoffmangel führte vor allem in Turrach und Paal zu Waldankäufen. Gleichzeitig wurden auch Transportwege verbessert, Schwemmanstalten errichtet und Aufforstungen versucht. Trotz aller Bemühungen war der Rohstoff Holz in den Köhlereien immer knapp. Erst mit dem Niedergang der Eisenindustrie – im Jahr 1909 wurde der letzte Hochofen in Turrach stillgelegt – kam es zu einer Änderung der Bewirtschaftung und die Produktion von Sägerundholz rückte in den Fokus der Forstwirtschaft. Seit den 1880er Jahren werden für die Herrschaft Murau forstliche Wirtschaftspläne erstellt. Außerdem konnten mit der Floßbarmachung der Mur 1878 und dem Bau der Kronprinz-Rudolf-Bahn über Triest neue Absatzmärkte erschlossen werden. Eine intensive Waldpflege wurde in Murau aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg aufgrund des hohen Holzbedarfs und der dadurch bedingten Holzpreise attraktiv. Nun war es auch möglich, ein effektives Wegenetz auszubauen.
Der heutige Besitz der Herrschaft Murau, der gänzlich im Einzugsgebiet der Mur liegt, umfasst knapp 23.000 ha. Von der Gesamtfläche sind etwa 14.300 ha Ertragswald, 3.800 ha Schutzwald und rund 4.500 ha Nichtholzboden, meist Almen. Der Forstbetrieb gliedert sich in die Reviere Ramingstein-Bundschuh, Turrach, Paal und Murau-Katsch.
