
Schwarzenberg´sches Archiv
Im Jahre 1873 befanden sich an 24 Standorten in Bayern (Franken), Steiermark, Wien und Böhmen insgesamt 46 Schwarzenberg´sche Archive. Diese wurden von 8 Archivbeamten und 20 sogenannten Archivobsichtsträgern verwaltet.
Knapp 150 Jahre später gibt es neben dem Archiv auf dem fränkischen Stammschloss Schwarzenberg noch das Archiv in Murau. Als Familien-, Herrschafts-, und Betriebsarchiv wurde hier ein neues Schwarzenberg´sches Zentralarchiv geschaffen – ein Archiv, das alle früheren und jetzigen Besitzungen des Hauses Schwarzenberg in der Steiermark beinhaltet. Mit seinen Beständen gilt es heute als größtes und bedeutendstes Privatarchiv der Steiermark.

Geschichte und Archivräume
In fünf Sälen sind sowohl das Archiv als auch die dazugehörige Bibliothek untergebracht. Die Archivräume befinden sich, wie bereits im 17. Jahrhundert, im sogenannten „Schatzgewölbe“, wo früher die Akten in Truhen und Kästen untergebracht waren. Heute befinden sich die archivalischen „Schätze“ als Faszikel geordnet in Regalen und Kästen.
Eine Archivarbeit ist ab dem 16. Jahrhundert nachgewiesen. 1662 wurde der Murauer Verwalter Adam Leitner von Graf Johann Adolf zu Schwarzenberg beauftragt, das Archiv zu ordnen. Dieser erstellte eine Registratur der Akten und bündelte die Unterlagen zu Faszikeln. Erstmals gab es eine Gesamtordnung der Archivmaterialien. Als ältestes Dokument wurde eine Urkunde aus dem Jahr 1152 identifiziert, die älteste Handschrift wurde mit 1304 datiert. Der Kern des Archives stammt somit aus ferner Liechtenstein´scher Zeit.
Das alte Murauer Archiv umfasste einst insgesamt 8 Bestände: Die Herrschaftsarchive von Authal, Frauenburg, Goppelsbach, Murau und Reifenstein; die Registratur des Eisenoberverwesamtes Murau ab 1825; die Registratur aller steirischen Herrschaften und Allodial-Berg- und Hammerwerke; sowie die neue Registratur ab 1850.
In der Zeit von 1888-1902 wurde das Murauer Archiv durch Felix Zub neu gesichtet und geordnet. Wichtige Urkunden wurden dem Urkundenarchiv einverleibt. Nach der Neuordnung Zubs umfasste das Archiv 4.547 Urkunden und rund 3.000 Faszikel und Bücher. Die damalige Ordnung ist bis heute aktuell.
Archiv auf Reisen
Im August 1915 – nach dem Kriegseintritt Italiens in den Ersten Weltkrieg – sorgte man sich um die Bestände des Murauer Archivs. Mit der Gefahr einer italienischen Offensive vor Augen, entschloss man sich, die wichtigsten Unterlagen ins Schwarzenberg´sche Zentralarchiv, das sich im böhmischen Krumau/Český Krumlov – und somit in Sicherheit – befand, zu transportieren. 22 Kisten mit Archivmaterialien wurden mit der Eisenbahn von Murau nach Krumau gebracht. Nach dem Ende des Krieges beließ man die Murauer Akten im Zentralarchiv. Als die Familie Schwarzenberg im Jahr 1947 vom Tschechoslowakischen Staat enteignet wurde, waren auch die eigenen Archive verloren und mit ihnen die Murauer Bestände. Nach vergeblichen Rückführungsversuchen von Seiten der Gutsverwaltung, konnten erst wieder nach der „Wende“ ernsthafte Verhandlungen aufgenommen werden.
Gemeinsam mit dem Steiermärkischen Landesarchiv konnte 1996 eine Lösung gefunden werden. Das Land Steiermark erwarb die Archivbestände gegen eine Betreuungsentschädigung und gab diese in weiterer Folge an das Schwarzenberg´sche Archiv in Murau. So kamen im November 1996 die Akten, die 1915 nach Krumau gebracht wurden, wieder nach Murau und die alte Archivordnung konnte wiederhergestellt werden. In dieser Rückführung nicht inbegriffen war der Bestand „Steirische Herrschaften überhaupt und Allodial-Berg und Hammerwerke“, der bereits vor 1915 nach Böhmen gebracht wurde und insgesamt 1.853 Faszikel umfasste.
Neuaufbau in Murau
Nachdem 1947 bzw. 1948 das Haus Schwarzenberg in der Tschechoslowakei restlos enteignet wurde, waren natürlich auch die alten Archive verloren. Aus diesem Grund wurde mit Dr. Ferdinand Andraschko, der vor dem Zweiten Weltkrieg als Assistent im Schwarzenberg´schen Zentralarchiv in Krumau tätig war, in Murau ein neues Zentralarchiv geschaffen. Dr. Andraschko wurde 1955 mit dem Aufbau und der Leitung des Murauer Archivs beauftragt. Seit dieser Zeit ist das Schwarzenberg´sche Archiv in Murau ständig besetzt.
Durch Dr. Ferdinand Andraschko (1955-1970) und dessen Nachfolger Wolfgang Wieland (1970-2001) wurde dieses Archiv in seiner heutigen Form auf- und ausgebaut.

Umfang des Archivs
Heute umfasst das Archiv auf rund 1.500 Laufmetern etwa 6.000 Faszikel, 10.000 Bücher, 7.800 Urkunden 800 Pläne und 1.200 Bilder und gliedert sich in folgende Sammlungen und Bestände:
- Herrschaftsarchive der Herrschaften Authal, Frauenburg, Goppelsbach, Murau und Reifenstein
- Registratur des Eisenoberverwesamtes Murau ab 1825 mit montanhistorischer Bibliothek
- Neue Registratur ab 1850
- 4 Urkundensammlungen
- 2 Plansammlungen mit technischen Zeichnungen, Karten etc.
- Familienarchiv mit Münzen, Medaillen, Siegeln, Bildern, Familienerinnerungsstücken (Orden, Auszeichnungen, Alben, Urkunden etc.
- Betriebsarchiv mit Akten und Verrechnungsunterlagen aller Dienststellen in Steiermark, Salzburg und Wien
- Handbibliothek zur Familien- und Besitzgeschichte, genealogischen Werken, 45 Foliobänden des aufgelösten Murauer Kapuzinerklosters und zahlreichen thematisch geordnete Werken zu zahlreichen Wissensgebieten
- Fotosammlung
- Bildersammlung
- zahlreiche Nachlässe
Das Haus Schwarzenberg bewies über Jahrhunderte hindurch eine aufgeschlossene und positive Einstellung den Archiven gegenüber und dieser Standpunkt ist bis in die heutige Zeit erhalten geblieben.
